Heute ist die letzte Folge der vierten Staffel „Mythic Quest“ (Trailer) auf Apple TV+ veröffentlicht worden. Ich war immer großer Fan der Comedyserie, so dass ich mir die zehn jeweils rund halbstündigen Episoden binnen der letzten beiden Wochen angeschaut habe. Kurzweilige Unterhaltung, die man gut am Stück wegschauen kann, ist auch die neueste Staffel der Serie wieder, aber leider kommen ein paar Einschränkungen daher, die ich euch im Spoiler-armen Review mitteilen möchte.
Wo ist der Hauptquest?
An sich hat „Mythic Quest“ schon immer ein vielseitiger Cast sowie das Eintauchen in die Geschichten der Randfiguren ausgemacht. Und so gibt es auch in der vierten Staffel viele kleine Geschichten und Entwicklungen zu etlichen Charakteren zu sehen. Vielleicht ist das aber auch der Grund dafür, dass sich die neue Season so lose anfühlt. Das ist für sich genommen alles nettes Stückwerk, fügt sich aber leider nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammen.
Dass man sich bei den eh schon überschaubaren zehn Episoden direkt mehrere Exkurs-Episoden erlaubt, trägt sein Übriges dazu bei. Bei einer aus Brads Sicht und im Heist-Stile erzählten Geschichte könnte man noch von einer reinen Inszenierungs-Abkehr reden. Bei „Rebrand“ (S04E08) spielt sich das Geschehen jedoch zum absoluten Großteil der Handlung fernab unserer Hauptfiguren ab. Den Ansatz, Einblick in das Leben eines Streamers zu zeigen, fand ich dabei eigentlich recht aufregend. Leider hat man aber Potenzial liegen lassen und lässt in der Folge vor allem Griffigkeit vermissen. Vielleicht hätte man die Folge besser als Einzelepisode im heute veröffentlichten Anthologie-Spin-off „Side Quest“ erzählt?
Irgendwie ironisch ist es dann, dass mit „The Villain’s Feast“ (S04E04) auch die Highlight-Folge dieser Staffel ein gewisses Eigenleben abseits der Norm der Serie führt. Die Episode ist wie eine Murder Mystery aufgebaut und bietet einige wirklich tolle Momente, auch wenn ich mir insgeheim etwas mehr Gaming-Mechanik erhofft hatte. Allgemein wird in dieser Staffel gefühlt so wenig gespielt wie in keiner vorherigen. Ich dachte, es geht um Videospiele?!
Letztlich wird aber nicht nur diese Exkursfolge wieder vom ewig-währenden Spielchen zwischen Ian und Poppy durchzogen. Das dauernde Wiederholen der gleichen Beziehungsprobleme nervt mittlerweile, auch wenn sich durchaus signifikante (und notwendige!) Veränderungen in der Staffel ergeben.
Dabei hatte die Staffel auch viele gute Dinge zu bieten. Davids Meeting zum Bannen von Inhalten auf der „Playpen“-Plattform war grandios, es gibt noch immer scharf geschriebene Dialogzeilen zu hören und moderne Aspekte wie das Aufkommen künstlicher Intelligenz werden angemessen und unterhaltsam eingebunden. Dennoch fühlt es sich ein bisschen so an, als sei das Konzept „Mythic Quest“ auserzählt. Die Figuren funktionieren noch an und für sich, aber das reicht ohne eine verbindende Hauptstory nicht, um mehr als nette Unterhaltung zu bieten. Für sich gibt es gute Szenen oder gar vereinzelt überdurchschnittliche Episoden zu sehen, als Gesamtkonstrukt fehlte mir da aber einiges, um eine wirklich gute Staffel auszumachen.
Ein kleiner „Schimmer Hoffnung“ ist eine Expansion für das Hauptspiel, das sich zumindest zeitweise wie ein roter Faden durch die Staffel zieht und vor allem Ian und Poppy eine gewisse Führung geboten hat. Dabei wird „Elyssium“ wie der Koffer in „Pulp Fiction“ ausgespielt: ein mysteriöses Licht im Gesicht der verblüfften Betrachtenden, wirklich etwas zu sehen vom Ergebnis bekommen wir aber nie. Viel wichtiger für die Figuren und die weitere Serienentwicklung selbst sind charakterliche Meilensteine, die sich im durchaus gelungenen Staffelfinale für bspw. Ian, Poppy und Jo ergeben. So hat man dann doch noch einen gewissen Richtungswechsel initiiert, der schwer vonnöten war. Dabei hat mir vor allem Jos „Misere“ gefallen.
Noch immer steht „Mythic Quest“ für kurzweilige Unterhaltung mit funktionierenden Charakteren sowie dem einen oder anderen Seitenhieb gegen die moderne Gesellschaft und Gaming-Industrie. Aber Staffel 3 war klar besser. Das liegt neben der allgemein höheren Durchschnittsqualität vor allem daran, dass sich jene runder und stringenter angefühlt hat. Staffel Vier wirkt deutlich zerstückelter und weiß trotz einiger übergreifender Entwicklungen kein stimmiges Bild abzugeben. So bleiben einige richtig gute Szenen sowie die Gewissheit, mehr Zeit mit diesen liebevoll durchgeknallten Figuren verbringen zu können – mehr aber auch nicht. Wobei: Ein bisschen „mehr“ gibt es dann doch! Neben dem Staffelfinale wurden heute nämlich auch direkt alle vier Episoden des „Mythic Quest“-Spin-offs „Side Quest“ auf Apple TV+ veröffentlicht.
5. Staffel von „Mythic Quest“?
Noch wurde nicht offiziell bestätigt, dass es eine fünfte Staffel von „Mythic Quest“ geben wird. Das größere Investment in die Spin-off-Folgen lassen aber zumindest mal grundlegende Motivation diesbezüglich erahnen. Auch dürfte die Produktion verhältnismäßig günstig sein. Die Geschichte einiger Figuren sowie MQ als solches bieten auch durchaus noch Potenzial, um mehr zu erzählen. Dennoch denke ich, dass man es dann auch bei einer möglichen fünften Staffel belassen und der Serie einen Abschluss liefern sollte.
Bilder: Apple TV+
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