Platz 25: Star Trek Enterprise S04E18/E19 – In A Mirror, Darkly
Dies ist der Auftakt der großen Star Trek Review Serie. In ungeduldiger Erwartung auf die neue Serie habe ich die letzten Monate in meinem Star Trek Archiv die ein oder andere Episode angeschaut. Dadurch kam ich auf die Idee, ein Ranking zu erstellen und euch meine liebsten Folgen zu präsentieren.
Platz 25 nimmt eine Doppelfolge ein, aus der letzten Serie der bekannten Science Fiction Marke. Star Trek: Enterprise schaffte es nicht, an die Popularität der Vorgänger anzuknüpfen und sorgte auch dafür, dass erstmal Schluss mit Star Trek im Fernsehen war. Dennoch: Es gibt ein paar Perlen in den 4 Staffeln. Eine dieser Perlen ist eine Doppelfolge mit dem Namen „In A Mirror, Darkly“ oder auf Deutsch „Im finsteren Spiegel“.
Spiegelwelt
In Star Trek Classic wurden durch einen Transporterunfall Kirk, McCoy, Scotty und Uhura in eine andere Dimension versetzt. Es ist die gleiche Zeit, es gibt die gleichen Menschen, jedoch ist alles anders. Statt der Föderation sind die Menschen in einem brutalen Imperium organisiert und versuchen, das Universum zu erobern und zu versklaven. Die Enterprise Folge „In A Mirror, Darkly“ widmet sich genau dieser Spiegelwelt, aber ohne dass es Anknüpfungspunkte an die eigentliche Serie gibt.
Das Intro der Folge beginnt mit der Szene des ersten Kontakts aus dem Kinofilm Star Trek First Contact. Statt freundlich die Vulkanier zu begrüßen, entern die Menschen das Schiff und töten die Fremden. Danach startet die Serie mit einem eigenen Intro. Wir sehen die Fahne des Imperiums auf dem Mond sowie Krieg und Zerstörung, also das komplette Gegenteil der ursprünglichen Einführung. Danach springen wir in die gleiche Zeit der eigentlichen Serie, jedoch sehen wir die Enterprise unter dem Banner des Imperiums mit allen Charakteren, die nun aber böse sind.
Archer hat nicht das Kommando über die Enterprise, welche sich mit anderen Schiffen auf dem Weg in die Schlacht gegen die Rebellion befinden. Er erfährt von einem Raumschiff aus der Zukunft, das von den Tholiansern gefunden und untersucht wird. Daraufhin putscht er sich zum Captain und macht sich auf den Weg zu diesem Schiff.
Star Trek Classic ist auch dabei
Das spannende: Dieses Raumschiff tauchte in Star Trek Classic auf und verschwand dort. In Archers Zeit ist die Defiant, nicht zu verwechseln mit der späteren Defiant aus Ds9, der Technik weit überlegen. Archer schafft es, dieses überlegene Schiff zu kapern, während die Enterprise mit dem für die Tholianer typischen Energie-Gitter zerstört wird. Im Verlauf sehen wir weitere Intrigen, Folter und eine erfolgreiche Eroberung der Defiant, nachdem ein Gorn noch an Board ist und Widerstand leistet.
Archer glaubt dadurch, dass er alles erreicht hat, doch sein Ego ist größer. Der Zwiespalt in ihm wird schön visualisiert. Man sieht einen weiteren Archer, der zu ihm spricht und ihn ärgert, der Imperator würde ihm den Erfolg und die Anerkennung verwehren. Also legt er noch eine Schippe drauf und will selbst Imperator werden. Am Ende ist er fast erfolgreich, wird aber von Sato gestoppt, die sich immer mit den mächtigen Männern auf dem Schiff eingelassen hat, bis sie selbst ihre Chance sieht und aktiv wird.
Ist der Ruf erst ruiniert
Diese Folge nimmt sich durch die Spiegelwelt so viele Freiheiten wie fast keine andere Star Trek Folge. Die weiblichen Offiziere müssen in knappen bauchfreien Uniformen umherlaufen. Folter und Mord stehen an der Tagesordnung und alle Aliens werden als niedere Wesen im Imperium angesehen. Dazu eine wahnwitzige Aneinanderreihung von Intrigen, Archer gegen Forrest, T’Pol gegen Archer, Phlox gegen Archer und am Ende auch Sato gegen Archer. Rein logisch wird klar: Dieses Universum kann eigentlich gar nicht funktionieren – normalerweise sollten schon alle Charaktere tot sein oder gar nicht existiert haben; schließlich wird man beim kleinsten Verdacht in diesem Universum hingerichtet.
Aber genau wegen dieser trashigen Antihaltung gegen das klassische Star Trek verdient sich diese Doppelfolge einen Platz in der Top 25. Vor dem Hintergrund, dass diese zwei Folgen zu den letzten gehörten, bevor die Serie abgesetzt wurde, könnte man fast meinen, dass sie genau in diesem Wissen als Trotzreaktion entstanden sind. Doch die Entscheidung zur Absetzung kam erst während des Drehs.
Trotzdem spürt man, dass hier versucht wurde, sich aufzubäumen und Regeln zu brechen. Selbst Zuschauer, die mit Enterprise wenig anfangen konnten, werden bei „In A Mirror Darkly“ Freude haben. Fans dagegen kommen, auch wenn sie mit dieser Darstellung etwas Probleme haben sollten, durch die Anlehnung an die Classic Folge „Das Spinnennetz“ inkl. Classic Uniformen und dem Gorn-Kampf auf ihre Kosten.
Ach, die Enterprise-Serie war mir irgendwie die liebste Serie. TNG ist auch klasse, klar. Aber irgendwie waren die Charaktere hier sehr nice angelegt und besetzt. Ich erinnere mich noch an eine Folge, bei der alle irgendwie total verrückt waren und der Captain die ganze Zeit darauf bestanden hat, dass sein Sessel doch bitte möglichst perfekt platziert und aufgebessert wird. War großartig. Die Doppelfolge hier fand ich aber auch sehr gut.
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